Maklerprosa-Bullshit-Bingo: 25 Floskeln, die Käufer sofort durchschauen
Maklerprosa zum Fremdschämen: 25 abgedroschene Exposé-Floskeln als Bullshit-Bingo – plus bessere Alternativen, die tatsächlich verkaufen statt zu nerven.
Jeder, der schon einmal zehn Immobilienexposés hintereinander gelesen hat, kennt das Gefühl: Nach dem dritten „lichtdurchfluteten Wohntraum mit Wohlfühlcharakter” verschwimmen alle Objekte zu einem einzigen Textbaustein. Maklerprosa hat einen eigenen Wortschatz entwickelt, der sich selbst parodiert – und Käufer haben längst gelernt, ihn zu überlesen. Zeit für ein ehrliches Bullshit-Bingo: 25 Floskeln, die man sofort erkennt, plus die bessere Alternative dazu.
Warum Maklerprosa ein eigenes Genre geworden ist
Maklerprosa funktioniert wie ein Werbeblock im Fernsehen: Man erkennt sie an ihrem Klang, bevor man den Inhalt überhaupt verarbeitet hat. Genau das ist das Problem. Wenn ein Text als „das ist doch nur Werbung” markiert wird, schaltet das Gehirn in den Überflug-Modus – Informationen, die eigentlich wichtig wären (Grundriss, Zustand, Preis-Leistung), gehen darin unter. Wer Maklerprosa vermeidet, wird nicht automatisch nüchtern, sondern schlicht wieder lesbar.
Die Bingo-Karte zum Ausdrucken
Für alle, die beim nächsten Exposé-Marathon auf einem Immobilienportal mitspielen wollen – fünf Reihen, fünf Spalten, 25 Klassiker:
| lichtdurchflutet | Wohlfühloase | Traumhaus | Perle | Einmalig |
| gepflegt | Liebhaberobjekt | Ihr neues Zuhause | Rundum sorglos | Toplage |
| Herzstück | idyllisch | hochwertig | großzügig geschnitten | Naherholung |
| Kapitalanlage der Extraklasse | modernes Ambiente | stilvoll | ruhige Lage | ausbaufähig |
| viel Potenzial | exklusiv | begehrt | repräsentativ | Vollholzküche |
Fünf in einer Reihe im nächsten gelesenen Exposé? Bingo.
Die 25 Floskeln – und was stattdessen tatsächlich wirkt
1. „Lichtdurchflutet”
Sagt nichts über Himmelsrichtung oder Fensterzahl. Besser: „Vier Fenster nach Süden, ab dem Vormittag durchgehend Sonne.”
2. „Wohlfühloase”
Beliebig einsetzbar für jedes Objekt – und wird deshalb ignoriert. Besser: einfach weglassen und stattdessen ein konkretes Detail nennen.
3. „Traumhaus”
Eine Behauptung ohne Beleg. Besser: das konkrete Merkmal, das den Traum ausmacht – z. B. „Garten mit altem Baumbestand, Terrasse nach Westen.”
4. „Perle”
Wird für jede zweite Wohnung verwendet, verliert dadurch jede Bedeutung. Besser: ganz streichen.
5. „Einmalig”
Stimmt fast nie. Besser: die tatsächliche Besonderheit benennen, z. B. „einziges Grundstück im Baugebiet mit Südausrichtung.”
6. „Gepflegt”
Ohne Beispiel eine reine Behauptung. Besser: „2023 neu gestrichen, Bodenbeläge durchgehend erneuert.”
7. „Liebhaberobjekt”
Oft ein Euphemismus für Sanierungsstau. Besser: ehrlich benennen, was zu tun ist – schafft Vertrauen statt Enttäuschung bei der Besichtigung.
8. „Ihr neues Zuhause”
Vorgreifende Emotionalisierung, die aufgesetzt wirkt. Besser: die Fakten sprechen lassen, die Emotion entsteht beim Lesen von selbst.
9. „Rundum sorglos”
Nichtssagend. Besser: konkret, was „sorglos” macht – z. B. „neue Heizung 2024, kein Sanierungsstau.”
10. „Toplage”
Ohne Beleg reine Behauptung. Besser: „200 m zum Rathausplatz, ca. 4.200 Passanten pro Wochentag laut Stadtverwaltung.”
11. „Herzstück”
Meist für die Küche verwendet, ohne echten Informationsgehalt. Besser: „Offene Wohnküche, 28 m², Kücheninsel mit Blick ins Wohnzimmer.”
12. „Idyllisch”
Subjektiv und unüberprüfbar. Besser: „Blick auf den angrenzenden Bachlauf und Streuobstwiesen.”
13. „Hochwertig”
Sagt nichts über Material oder Marke. Besser: konkrete Marke/Material nennen, z. B. „Parkett aus Eiche, Einbauküche von Nolte.”
14. „Großzügig geschnitten”
Beliebt, aber inhaltsleer. Besser: die tatsächliche Quadratmeterzahl je Raum.
15. „Naherholung”
Klingt gut, sagt nichts. Besser: die konkrete Grünfläche und Entfernung nennen.
16. „Kapitalanlage der Extraklasse”
Übertreibung, die Kapitalanleger eher misstrauisch macht. Besser: die tatsächliche Rendite-Rechnung – Mietertrag, Kaufpreisfaktor.
17. „Modernes Ambiente”
Ohne konkretes Baujahr oder Sanierungsjahr bedeutungslos. Besser: „Vollständig saniert 2024, Fußbodenheizung, KfW-55-Standard.”
18. „Stilvoll”
Geschmacksurteil ohne Substanz. Besser: das konkrete Stilelement benennen.
19. „Ruhige Lage”
Wird für fast jedes Objekt behauptet. Besser: „Sackgasse ohne Durchgangsverkehr, nächste Hauptstraße 400 m entfernt.”
20. „Ausbaufähig”
Häufig ein Euphemismus für „unfertig”. Besser: genau beschreiben, was ausgebaut werden kann und ob eine Genehmigung vorliegt.
21. „Viel Potenzial”
Ähnlich vage wie „ausbaufähig”. Besser: konkrete Optionen nennen, z. B. „Dachgeschoss ausbaufähig auf zusätzliche 45 m² Wohnfläche laut Statik.”
22. „Exklusiv”
Wird inflationär verwendet. Besser: streichen oder durch ein konkretes Merkmal ersetzen.
23. „Begehrt”
Unbelegte Behauptung über die Nachfrage. Besser: neutral bleiben und die Fakten für sich sprechen lassen.
24. „Repräsentativ”
Vage Statusbehauptung. Besser: „Großzügiges Entree mit 4 m Deckenhöhe, direkter Blick auf die Freitreppe.”
25. „Vollholzküche”
Klingt hochwertig, ist aber oft nicht mehr als Bezeichnung ohne Herkunftsangabe. Besser: Hersteller, Baujahr und Materialdetails nennen.
Was diese Übung eigentlich zeigt
Bei allen 25 Beispielen fällt dasselbe Muster auf: Die Floskel ersetzt eine Beobachtung durch eine Behauptung. Die bessere Version braucht dafür fast nie mehr Wörter – nur konkretere. Wer das systematisch macht, schreibt nicht nur bessere Exposés, sondern auch Texte, die von Suchmaschinen und Portalen als differenzierter Content erkannt werden, statt als Kopie der immer gleichen zehn Adjektive. Der ausführliche Leitfaden dazu mit 15 weiteren Vorher/Nachher-Beispielen steht im Artikel Immobilienbeschreibung schreiben. Wer zusätzlich die Lage floskelfrei beschreiben möchte, findet Hilfe in 12 Beispielen für Lagebeschreibungen.
Der Grund, warum trotzdem so viel Maklerprosa im Umlauf ist, liegt selten an fehlendem Bewusstsein – sondern am Zeitdruck. Für jedes Objekt eine wirklich konkrete Beschreibung zu formulieren, kostet mehr Zeit als ein Textbaustein mit „traumhaft” und „gepflegt”. ExposéGPT verkürzt genau diesen Weg: Die Extension liest die Objektdaten direkt aus OnOffice, Flowfact oder Propstack aus und erzeugt daraus konkrete, floskelfreie Texte im hinterlegten persönlichen Schreibstil – ganz ohne Copy-Paste. Mehr dazu bei den Funktionen im Detail.
Fazit
Maklerprosa ist ein Sprachmuster, das Käufer inzwischen schneller erkennen als jede echte Objektbesonderheit. Wer die 25 Floskeln aus diesem Bingo aus dem eigenen Wortschatz streicht und stattdessen konkrete Details verwendet, schreibt Texte, die tatsächlich gelesen werden. Wer diesen Prozess automatisieren möchte: ExposéGPT kostenlos im Chrome Web Store installieren.